Geschenke für Maria

Verteilbericht aus Sibiu (2010)

Maria hat noch nie in ihrem Leben einen Teddybär in Händen gehalten, etwas zum Spielen besessen, Schokolade genascht – oder ein Geschenk bekommen. Die Fünfjährige lebt in Ţichindeal, rund 35 Kilometer von der rumänischen Stadt Sibiu (Hermannstadt) entfernt. In dem Dorf leben viele Roma. „Sie gehören zu den Ärmsten der Armen“, erzählt Sorin Boica. Der Christ koordiniert einige der Geschenk-Verteilungen von „Weihnachten im Schuhkarton“. Ţichindeal ist eine der Stationen, zu der wir – drei Mitarbeiter von Geschenke der Hoffnung sowie zwei Sammelstellenleiterinnen aus Enger und Hamburg – ihn begleiten.

Als wir dort ankommen, schneit es heftig. Drei Männer stehen um den Dorfbrunnen herum. Sie sind arbeitslos, so wie die meisten anderen Bewohner auch. Sofort erschrecken wir uns: Eine Kuh rennt dicht an uns vorbei, ein Hirte hinterher.

In Ţichindeal möchten wir rund 100 Kindern während einer kleinen Weihnachtsfeier Schuhkartons überreichen. Doch ehe es losgeht, lädt uns eine Roma-Familie ein, sie zu ihrem winzigen Steinhaus zu begleiten. Was wir dort zu sehen bekommen, erschüttert uns: Von den zwei stark verwahrlosten Zimmern ist nur eines beheizt. Es ist rund 2,5 mal 2 Meter groß. Gerade einmal ein alter Holzofen, ein Schrank und zwei verschmutzte Betten finden darin Platz. Die Federdecken sind zusammengefallen und sehen feucht und modrig aus. Im zweiten Raum lagert Sperrmüll.

Obwohl es draußen taghell ist, ist es drinnen düster. Ein unangenehmer Geruch liegt in der Luft. Wo die Familie kocht und sich wäscht, ist uns schleierhaft. Klar ist hingegen, dass es Milo, Joana und ihren sieben Kindern an allem fehlt, was das Leben erträglicher macht: fließendes Wasser, Strom, Schutz vor der eisigen Kälte, Hoffnung. „Milo ist arbeitslos“, erzählt Sorin. „Zum Leben haben sie nur die zehn Euro pro Monat pro Kind von der Regierung.“ Auf die Frage, wie die Familie da überleben kann, lacht er: „Von ein bisschen Brot.“ Sorin kennt die elenden Lebensumstände der Roma und versucht, sie zusammen mit seiner christlichen Gemeinde zu unterstützen: Er besucht die Familie regelmäßig und versorgt sie, wann immer möglich, mit Lebensmitteln und Holz.

Als wir Maria und ihren Geschwistern Schuhkartons schenken, leuchten ihre Gesichter auf. Ich setze mich zu dem Mädchen aufs Bett und schaue ihr zu. Zuerst betrachtet sie fasziniert ein Foto der Kinder, die den Schuhkarton gepackt haben. Sie streichelt zärtlich darüber, ehe sie in seinem prallvoll gefüllten Paket einen bunten Rubikwürfel findet und auch ihn minutenlang bewundert. Während sie weiter auspackt, hört sie nicht auf, über das ganze Gesicht zu strahlen.

Marias Reaktion zeigt uns, wie wertvoll der Schuhkarton für das kleine Mädchen ist: Er ist das erste Geschenk in ihrem Leben und wirkt in der tristen Umgebung wie ein bunter Lichtblick. Die Eltern bedanken sich überschwänglich. Als wir uns verabschieden, leuchten Marias Augen noch immer.

Noch lange hallt der Besuch bei uns nach. Neben der Bestürzung über die trostlos-armen Umstände, in denen Maria leben muss, bleibt vor allem eines in Erinnerung: Die Freude, die die Geschenke in das Leben von Maria und ihrer Familie gebracht hat.

Anja Wetzel

Quelle: Geschenke der Hoffnung e.V.

 
Im Rahmen unseres vielseitigen Engagements unterstützte SSM auch viele Jahre die Aktion "Weihnachten im Schuhkarton".

Mehr Informationen erhalten Sie auf der Homepage des Vereines "Geschenke der Hoffnung e.V."